Die Tschernowitzer Erinnerungsstätte ist dem Andenken an die etwa 60 Jüdinnen und Juden, die mit dem Städtchen Černovice bei Tábor in der damaligen Tschechoslowakei biographisch verbunden sind, gewidmet, Menschen, die in diesem Ort bis 1942 gelebt und an dessen Entwicklung mitgewirkt hatten. 

Sie würdigt jedoch auch vier nichtjüdische Bürger von Černovice, die sich bereits nach dem Beginn der Besetzung der Tschechoslowakei 1939 mutig schützend für ihren Černovicer jüdischen Mitbürger, Dr. Emil Teller, eingesetzt haben. Drei von diesen vier Männern verloren zusammen mit Dr. Teller ihr Leben in den deutschen KZs. Nur einer der fünf überlebte die Nazizeit.  

Diese Erinnerungsstätte unterscheidet sich in mancher Hinsicht von den bekannten staatlichen Gedenkeinrichtungen wie z. B. in Theresienstadt, Sachsenhausen, Buchenwald oder in Auschwitz. Diese befinden sich an so genannten »authentischen Orten«, die mit dem Massenmord am europäischen Judentum und anderen Opfergruppen unmittelbar verbunden sind.

Solche »Ready-Made-Denkmale« wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zu Symbolen des Holocaust und zu Stätten der Erinnerung an den planmäßigen Mord erkoren. Auch wenn die Wichtigkeit und Erhaltungswürdigkeit dieser Stätten nicht in Frage gestellt werden soll, kann die  Konzentration des Erinnerns in diesen »Zentren des Holocaust« das Vergessen der Opfer an ihren Herkunftsorten mitbewirken.

Černovice könnte man dem gegenüber als ein Beispiel für die »Peripherie des Holocaust« ansehen. Dieses Städtchen ist eines von Tausenden, historisch vielleicht unbedeutenden Orten in Europa, wobei deren Wichtigkeit hinsichtlich des Holocaust aber gerade darin besteht, dass aus ihnen Millionen der späteren Holocaust-Opfer, vor den Augen der übrigen Bevölkerung, deportiert wurden, womit oft der Prozess der Verdrängung und des Vergessens vor Ort begonnen hatte.

Im Unterschied zu vielen anderen Gedenkstätten, die unter dem Motto »Gedenke der Toten« aus der Vergangenheit schöpfen, erweitert die Konzeption der Erinnerungsstätte  Černovice explizit die Gruppe der Holocaustopfer um die in den Denkmalen oft vernachlässigten Überlebenden.

Das Leben dieser Opfer wurde noch Jahrzehnte nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern von der Last der Erinnerungen an das Erlebte, dem Verlust der Familien-angehörigen und weiteren persönlichen Folgen geprägt. Dieses beeinträchtigte (Über)-Leben stellt als Gegenwartselement den Teil einer Zeitbrücke zur Vergangenheit dar. Sie wird durch den "Pfad der Erinnerung", einem erneuerten Zugang zum Friedhof, versinnbildlicht.

Über diese Verbindung soll durch Erinnerung und Empathie den jetzigen und kommenden Generationen die Botschaft vermittelt werden, künftig ähnliche Exzesse wie den Holocaust zu verhindern.


 

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Pfad der Erinnerung

Ausstellung in der Totenhalle

Eröffnung der Erinnerungsstätte

Pädagogisches Projekt

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© Michael Deiml & Allrounder